2023 ist Schluss: psychischer Missbrauch durch Eltern-Kind-Entfremdung muss ein Ende haben!

Ich war eine entfremdende Mutter. Heute nennt man das wohl so. Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich meinen Töchtern ihren Vater nahm. Meine Zwillingstöchter waren damals acht Jahre alt. Jetzt sind sie 25 Jahre. 

Bei den Streitigkeiten um Sorgerecht und Umgang wusste ich mir nicht anders zu helfen. Mein Mann hatte eine neue Freundin und es hat einfach so weh getan. Er führte auf einmal das Leben, dass er doch eigentlich mit mir hätte haben sollen. Ich kann aber nicht sagen, dass es in erster Linie Rache war. Es war Wut, Enttäuschung und ganz viel Traurigkeit. Mein ganzes Leben schien mir zerstört, mein Lebensentwurf, unsere gemeinsamen Kinder und das schöne Zuhause, das wir ihnen geschaffen hatten. Wir waren zwar sehr unterschiedlich, hatten aber selten Streit, schon gar nicht vor den Kindern. 

Mir wurde der Boden unter den Füßen weggezogen. Und das einzige Mittel, mich wieder aufzubauen schien mir, der ganzen Welt zu beweisen, was für ein Fiesling dieser Mann ist. Ich wollte alles alleine stemmen. Ich alleine, mit meinen Kindern. Er hatte mich verlassen, dann musste er auch damit leben, seine Kinder zu verlieren. Ich war der Meinung: sie haben es sowieso viel besser bei mir. 

Meine Familie hat mich unterstützt, leider auch darin, dass „dieser Schuft seine Kinder nie wieder sieht“, wie mein Vater bei jeder Gelegenheit betonte. Zum Glück hatte ich tolle Kolleginnen, die mich in diesem Vorgehen als Mutter auch unterstützt haben – schließlich waren es ja meine Kinder. Bei den Lehrerinnen der Kinder und den Mitarbeiterinnen des Jugendamts habe ich viel Verständnis und Unterstützung für meine Haltung gefunden. Trotzdem hat mein Ex-Mann durchgesetzt, dass die Kinder jedes zweite Wochenende bei ihm waren. Das tat weh: Er wurde wieder Vater und meine Mädchen fanden ihren neuen Bruder süß. Und das sagten sie mir auch noch jedes Mal. Ich dachte oft, hoffentlich ist die neue Freundin nett zu ihnen, damit sie nicht leiden. Gleichzeitig wünschte ich, dass sie eine Hexe sei, damit sie wieder zu mir wollten. 
Am Anfang habe ich während der ganzen Besuchszeit auf das Telefon gestarrt, in der Hoffnung, dass sie nach Hause wollten. Es hat nie geklingelt. Meinen Töchtern aber ging es bei ihrem Vater zunehmend schlechter. Zumindest dachte ich das damals, ohne zu erkennen, dass ich selbst der Grund dafür gewesen bin. Ich habe meinen Töchtern die Beziehung zu ihrem Vater zur Hölle gemacht. Irgendwann wollten sie nicht mehr zu ihrem Vater und ich war in meiner Haltung bestätigt. Der Kontakt zu ihm brach ab, als sie 11 Jahre alt waren. 

Ich habe mit Hilfe einer Therapeutin erkannt, was mich belastete und was ich mit meinen Töchtern und meinem Ex-Mann gemacht habe. Das hat sich nicht gut angefühlt, ich wollte es lange verleugnen und habe mich geschämt. Ich habe versucht, mir irgendwelche Begründungen auszudenken, dass es ja irgendwie doch in Ordnung gewesen wäre. Nein, das war es nicht, aber es brauchte Zeit, dass ich mir das selbst eingestehen konnte. Erst als die Zwillinge 16 Jahre alt waren, konnte ich es zulassen, dass meine Töchter wieder Kontakt zu ihrem Vater aufnahmen. 

Vor 13 Jahren lernte ich meinen jetzigen Lebenspartner kennen. Er war auch geschieden und hat seine Kinder regelmäßig gesehen. Er hatte große Probleme mit meinem Verhalten, hat mir den Spiegel vorgehalten. Er hat mir gesagt, wie er sich fühlen würde, wenn seine Ex-Frau so mit den Kindern umgehen würde – den Kindern, die sich bei uns fröhlich und entspannt in unser Familienleben einfügten, wenn sie bei uns waren. Fast wäre unsere Beziehung daran zerbrochen, aber mein neues Leben mit ihm war letztendlich zu wertvoll – vor allem der Frieden für meine Töchter. Den haben sie nach vielen Jahren zum Glück doch noch gefunden und sich auch wirklich verdient.